Agile Strukturen durch Selbstorganisation

Von "Top-Down" zu "Do-it-yourself" - mit neuen Prinzipien der Zusammenarbeit zu mehr Innovation und Agilität.

Die Agilitäts-Falle

Die traditionelle Managementlehre beruht in vielen Fällen auf dem Prinzip von Weisung und Kontrolle. Das bedeutet ein Top-Down Management mit klarer Entscheidungsmacht und Verantwortung bei den Führungskräften. Gerade in etablierten Unternehmen stößt dieses Organisationsprinzip aber immer häufiger an seine Grenzen. Junge, agile und dynamische Unternehmen drängen sich zwischen die Big Player und ihre Kunden. Aus der Verzweiflung heraus wird dann versucht vorschnell die heilsversprechenden Methoden von Start-ups zu kopieren, nur um dann festzustellen, dass diese nicht auf das eigene Unternehmen übertragbar sind. Innovationsinitiativen verlaufen im Sand, Ausgründungen werden als Fremdkörper im eigenen System abgestoßen und die Mitarbeiter sind frustriert und überfordert. Das Unternehmen ist in die Agilitäts-Falle getappt. Was nun?

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Organisationsform und dem Prinzip der Zusammenarbeit – hier muss die Transformation ansetzen.

Durch Organisation zur Selbstorganisation

Die Organisationsformen in Unternehmen sind heterogen und von inneren sowie äußeren Umständen abhängig. Jedes Unternehmen entwickelt für seinen operativen Betrieb sein eigenes Betriebssystem. Die drei Säulen dieses Systems sind:

  • Die Infrastruktur
    Maschinen, Geräte, Software und Einrichtung
  • Die Organisationskultur
    Regeln und Rituale
  • Die Mitarbeiter
    Kompetenzen, Rollen und Rollenerwartungen

Wenn neue Strategien, Prozessoptimierung, Umstrukturierung und Reorganisation an ihre Grenzen stoßen, ist es notwendig, moderne Formen der organisierten Zusammenarbeit zu etablieren, die das Potenzial gut ausgebildeter Mitarbeiter freisetzen können. Weg von Weisung und Kontrolle und hin zu Selbstorganisation.

„Selbstorganisation kann man nicht verordnen oder über die Verkündung einer neuen Agilitätsstrategie erreichen.“

- Hermann Arnold (2016), Wir sind Chef

Erfolgsfaktoren

Die Befähigung der Mitarbeiter zur Selbstorganisation beruht auf fünf Erfolgsfaktoren:

  1. Transparenz
    So wenig Geheimhaltung wie nötig, so viel Information wie möglich. So werden unternehmerische Entscheidungen für alle Mitarbeiter nachvollziehbar.
  2. Vertrauen
    Vertrauensvorschüsse gewähren und klare Regeln aufstellen. Unnötige Kontrolle blockiert den Gestaltungswillen der Mitarbeiter.
  3. Einbezug von Mitarbeitern
    Engagement entsteht durch Partizipation. Sie allein bringt die nötige Dynamik. Dabei geht es nicht um Machtverlust der Führungskräfte, sondern um einen Wandel der Macht vom „entscheiden und befehlen“ zum „überzeugen und unterstützen“.
  4. Toleranz gegenüber Fehlern
    Zu ehrgeizige Fehlervermeidungsstrategien sind nur unnötige Bürokratie und blockieren Initiative. Fehler sind ein normaler Lern- und Nebeneffekt.
  5. Kompetenz
    Die reine Übertragung von Entscheidungskompetenzen reicht nicht. Für die Selbstorganisation muss ein Rahmen geschaffen und Methoden und Fähigkeiten gezielt trainiert werden.

Transformation nachhaltig gestalten

Eine gemeinsame Absicht (Vision) sowie gemeinsame Werte, Überzeugungen und Verhaltensweisen und klare, einfach verständliche Regeln und Rituale, die von den Führungskräften vorgelebt werden, schaffen die nötigen Strukturen und Prozesse um die Transformation nachhaltig zu gestalten. Eine Infrastruktur die klar nutzenorientiert auf die Bedürfnisse der Arbeit zugeschnitten ist bildet die Basis für den Wandel. Unternehmen müssen sich für die Veränderung Zeit nehmen. Die Prinzipien der Selbstorganisation müssen gelernt und schrittweise implementiert werden, nur so gelingt das Update auf eine agile und innovative Organisationstruktur.